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Das Problempferd

Veröffentlicht am 24.04.2013

Wenn jemand das Wort Problempferd benutzt, oder sogar sein eigenes Pferd als solches bezeichnet, muss ich meist an einen Satz von Mark Rashid denken:

„Die Pferde haben uns nicht darum gebeten, domestiziert zu werden. Wie können wir uns dann erdreisten, sie dafür verantwortlich zu machen, wenn die Dinge schlecht laufen?
Wir müssen zunächst die Ursache finden, und dafür benötigen wir nichts weiter als einen Spiegel!“

Denn so sieht es aus. Wer hat das Pferd denn zu einem Problempferd gemacht?
Der Mensch!
Ob bewusst oder unbewusst, sei erst einmal dahin gestellt, aber Auslöser und Ursache sind in erster Linie bei uns selber zu finden.

Würde man z.B. einen Mustang, der sich in seiner Herde, unter seinen Artgenossen und auf großer, natürlicher Fläche bewegt als Problempferd bezeichnen?
Zeigt er in der Herde Verhaltensweisen die ihn als Problempferd identifizieren?
Wohl kaum.
Wird so ein wild lebendes Tier aber gefangen und unter Menschen gebracht, sind die Probleme  vorprogrammiert.
Aber solch ein Pferd direkt als Problempferd zu bezeichnen ist Unfug.
Dieses Pferd hatte vorher noch nie Kontakt zu Menschen, es kann unsere Sprache nicht deuten, es hat Angst vor uns und der neuen Situation. Wie können wir also erwarten, dass es direkt umgänglich ist und uns blind vertraut?

So ist es aber auch, bei einem neugeborenen Pferd im heimischen Stall.
Auch dieses kleine Wesen muss uns erst kennen lernen und uns sein Vertrauen schenken. Hier wird bereits der Grundstein zu einem späteren, problemlosen Umgang gelegt. Lernt das Pferd bereits in seiner Prägephase, dass der Mensch unberechenbar, hart oder ungerecht ist, wird es sich auch als Jungpferd nicht zu unserer Zufriedenheit benehmen und sich selber und uns sogar in gefährliche Situationen bringen.

Jedem, der mit Pferden umgeht, sollte klar sein, dass er, als Mensch, stets bemüht sein muss die Pferdesprache zu lernen, damit er korrekt und verständlich mit dem Pferd umgehen kann.
Es wäre respektlos dies von den Pferden zu erwarten, denn wir sind es doch, die auf ihnen reiten möchten und die ihre Freizeit mit ihnen verbringen möchten. Die Pferde kommen auch ganz gut auf der Weide, ohne Reiten und den ganzen Schnick Schnack zurecht.

Wer Respekt von seinem Pferd erartet, muss das Pferd erst einmal respektieren.
Wer Vertrauen von seinem Pferd möchte, muss ihm dieses Vertrauen erst einmal entgegen bringen.
Und hier liegt schon der Schlüssel, wir müssen umdenken und „Pferdisch“ lernen, nur dann lassen sich viele der Alltäglichen Probleme schon im Keim ersticken und vermeiden.

Warum sollte ein Pferd, das gelernt hat dem Menschen zu Vertrauen und sich von ihm leiten zu lassen:

- nicht in den Pferdeanhänger steigen?
- nicht durch einen Bach gehen?
- sich nicht die Beine abspritzen lassen?
- sich nicht vom Schmied beschlagen lassen?
- den Menschen nicht auf seinem Rücken zu dulden?
- nicht alleine ins Gelände gehen?
- drängeln, zwicken, schubsen oder drohen?

Die korrekte Kommunikation und die liebevolle Konsequenz bringt uns im Zusammenleben voran und schafft eine gute Partnerschaft.
Wir müssen uns bei aufkommenden oder bestehenden Problem und Verhaltensauffälligkeiten immer die Frage stellen:  "Was ist geschehen und schief gelaufen, dass ein Pferd sich so negativ entwickelt hat? "

Unerwünschtes Verhalten kann aktiv verursacht worden sein, z.B.  durch ungeschicktes Verhalten gegenüber dem Pferd beim täglichen Umgang,  grobe reiterliche Einwirkung, falsche Fütterung, unpassendes Equipment, Gewalt gegenüber dem Pferd oder sogar durch einen Unfall und somit eine traumatische Erfahrung (so etwas sitzt meist leider besonders tief).

Gefährliches bzw. unerwünschtes Verhalten kann aber auch passiv verursacht sein, z.B. durch Vernachlässigung und zu wenig Bewegung,  mangelnde Versorgung, aber auch durch inkonsequentes Verhalten seitens des Pferdebesitzers, der Dinge wie drängeln oder drohen nicht konsequent unterbunden und korrigiert hat.

Ein Fehlverhalten kann sich in vielen, verschiedenen Reaktionen zeigen. Das Pferd kann ängstliches Fluchtverhalten zeigen und möchte dann zB. lieber bei seinen Artgenossen sein (sogenanntes „Kleben“).
Es kann aber auch sehr aggressiv gegenüber dem Menschen sein, da es sich gegen ihn schützen möchte (oft ein Verhalten, nachdem Pferde Gewalt erfahren haben, oder einfach „genervt“ von Umgang mit dem Menschen sind).

Die Auswirkungen von solchen Problemen, lassen sich aber zum Glück verringern und bei dauerhaftem, alternativen Umgang völlig umkehren. Das Pferd muss vor allem zur Ruhe kommen dürfen und Vertrauen beim Menschen finden.

Nicht alle Probleme lassen sich aber durch Kommunikation, Vertrauen oder Liebe lösen.
Denn auch körperliche Probleme können zu unerwünschtemVerhalten führen. Vielleicht hat das Pferd sich durch einen Weideunfall verletzt, vielleicht drückt der Sattel, oder das Gebiss verursacht Schmerzen, vielleicht schlagen einem Pferd seine Magenprobleme auf die Laune.

Wir sind mental auch nicht spitze drauf, oder super gelaunt, wenn wir krank sind. Wer kann da also vom seinem Pferd erwarten, dass es Lektionen oder Übungen bei Schmerzen oder Unwohlsein klaglos und willig ausführt?

Sobald unser Pferd sich also anders verhält als sonst, oder unerwünschtes Verhalten zeigt, sind wir als Mensch gefragt und sollten sofort dafür Sorge tragen, die Ursache zu finden und das Problem zu beseitigen, damit wir unserem Pferd nicht den Titel "Problempferd" verpassen müssen.

 

Kein Pferd wird mit Verhaltensproblemen geboren, sondern durch Menschenhand zum Problempferd gemacht.Kein Pferd wird mit Verhaltensproblemen geboren, sondern durch Menschenhand zum Problempferd gemacht.

 

Viel Spaß mit euren Pferden wünscht euch, Yvonne Rommerskirchen – Faires Pferdetraining